Kapitel
Heimatvertriebene

Vergeben, aber nicht vergessen

1945

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Stuttgart: Hauptbahnhof ca. 1947. Wiederaufbau der Straßenbahngleise auf dem Bahnhofsvorplatz.
Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebten 5 Millionen Bürger im Südwesten – heute sind es beinahe 11 Millionen.[1]

Die Heimatvertriebenen und Kriegsflüchtlinge waren hierbei die erste große Gruppe von Menschen, die nach 1945 ins Land kamen. Die Schätzungen gehen von insgesamt weit über 12 Millionen aus den ehemals deutschen Ost-Gebieten geflüchteten und vertriebenen Menschen aus, von denen 8 Millionen in die Bundesrepublik und die restlichen in die damalige DDR kamen.

Ihre Geschichten, die Erlebnisse zu Kriegsende und die Umstände ihrer Ankunft in Baden-Württemberg sind individuell – viele ähnliche Schwierigkeiten und der gemeinsame Ursprung einten sie damals und bis heute. Im Verlauf der Jahre nahmen sie in zunehmend organisierter Form eine Stimme in der politischen Landschaft und in der Gesellschaft ein: nicht nur als sogenannte „Landsmannschaften“, als politische Partei oder im „Bund der Vertriebenen“. In der Bundesrepublik gab es kontroverse Debatten über eine mögliche Rückkehr in die jenseits der Oder-Neiße-Linie gelegenen Gebiete, in denen damals Deutsche als Minderheiten oder als „Volksdeutsche“[2] lebten und wo heute hauptsächlich Polen, Serben oder Tschechen zuhause sind.

Die Bundesländer und ihre neuen wie alten Einwohner standen in der Nachkriegszeit vor großen Herausforderungen, hatten mit Wohnungsnot und Lebensmittelmangel zu kämpfen, mussten den Wiederaufbau meistern und eine neue Lebenswirklichkeit gestalten.

In diesem Kapitel des Projekts „Daheim in der Fremde“ soll anhand der Sudetendeutschen als pars pro toto das Schicksal der Heimatvertriebenen und Geflüchteten, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs nach Baden-Württemberg kamen, illustriert werden.

Hintergrund

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1945. Ehepaar zieht Leiterwagen mit ihrem Hab und Gut und ihrem Kind darauf. Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Von „Heimatvertriebenen“ und „Flüchtlingen“ ist die Rede. Doch was genau ist darunter zu verstehen?

Die Vertriebenen und Geflüchteten hatten zuvor als deutsche Minderheiten im Ausland oder in Gebieten des damaligen Deutschen Reiches jenseits der Oder-Neiße-Grenze gelebt, jeweils mit ihrem eigenen Dialekt und kulturellen wie kulinarischen Spezialitäten. Ihre Geschichte reicht zum Teil weit zurück bis ins 18. Jahrhundert, als deutsche Siedler sich aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen die östlichen Gebiete Europas erschlossen.
Die Weltkriege brachten hierbei jedoch viel durcheinander – betrachten wir hier vor allem den Zweiten Weltkrieg: Bereits der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt („Hitler-Stalin-Pakt“) vom August 1939 enthielt Zusatzprotokolle, durch welche Polen aufgeteilt wurde, ebenso wie Bessarabien, Finnland und die baltischen Staaten. Und auch in dem ein Monat später geschlossenen „Grenz- und Freundschaftsvertrag“ wurden Gebietsaufteilungen festgesetzt wie auch „die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus dem Gebiet der sowjetischen Einflusssphäre in das von Deutschland besetzte Gebiet“.[3]

1945 wurden dann die Gebietsgrenzen im Nachkriegseuropa neu gezogen – der Hintergrund war die Vorstellung eines befriedeten Europas: Die mit den Minderheiten und unterschiedlichen Volksgruppen im Zusammenhang stehenden ethnischen Konflikte im östlichen Europa sollten auf diese Weise „bereinigt“ werden. Die Deutschen hatten den Krieg verloren und die Bewohner dieser Gebiete zahlten den Preis: Sie flohen und wurden vertrieben aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei, es handelt sich um die „größte gewaltsame Bevölkerungsverschiebung in der Geschichte des 20. Jahrhunderts.“[4]

Die sogenannten Beneš-Dekrete spielten hierbei eine wichtige Rolle: Der damalige Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Edvard Beneš, schuf am 19. Mai 1945 mit diesen Dekreten die Basis für die Vertreibung und Enteignung der Deutschen. Bis heute sind sie teilweise in Kraft und bilden Streitpunkte zwischen Deutschen und Tschechen sowie Verbänden und Regierungen, die bei Wahlkämpfen und darüber hinaus immer wieder eine Rolle spielen.

Im Hörfunk-Feature „Das Vermächtnis – Mit Sudetendeutschen in der alten Heimat“ von Kilian Kirchgeßner, gesendet am 26.08.2017 im Deutschlandfunk, kann die Geschichte der Sudetendeutschen durch vielfältige Impressionen erkundet werden. Die spannenden Manuskripte zur Sendung können hier nachgelesen werden:

Mit Sudetendeutschen in der alten Heimat – Rep 1 Herlikovice 08-23

Mit Sudetendeutschen in der alten Heimat – Rep 5 Rahnsch 08-23

An dieser Karte sieht man die Route der Zeitzeugin Helga Herale (1927-2017), die aus dem Sudetenland über verschiedene Zwischenstationen nach Stuttgart kam:

Helga Herale lebte seit 1957 in Stuttgart, Anfang 2017 verstarb sie. Sie war bis zuletzt aktiv in der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Im Interview erzählte sie von ihrem schwierigen Weg nach Deutschland und dem Neuanfang hier:

In der Potsdamer Konferenz (vom 17. Juli bis 2. August 1945 unter Beteiligung der Alliiertenvertreter der USA, Großbritannien und der Sowjetunion) wurde unter anderem auch festgelegt, wie diese großen Bevölkerungsgruppen nach Deutschland gelangen sollten – die Rede war von einer „ordnungsgemäßen“ Überführung. [5] Tatsächlich wurden aber über 14 Millionen Menschen gewaltvoll aus ihrem Lebensraum gerissen und auf grausamste Weise zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen. Die Schicksale von ca. 2 Millionen dieser Menschen bleiben ungeklärt, weshalb auch die Zahlen diesbezüglich in unterschiedlichen Quellen variieren. Familien wurden auseinandergerissen, Angehörige fanden einander manchmal erst Jahre später wieder. Eine genaue statistische Erhebung fand in den Wirren des Kriegs nicht statt, die erste große Volkszählung gab es erst 1950.

In organisierter Form kamen im Herbst 1945 die Massentransporte, hauptsächlich in Viehwaggons, von Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland an; sie wurden medizinisch untersucht und, nach einer Zeit in Sammellagern, weitergeschickt. Unzählige Menschen waren aber noch vor Kriegsende vor der heranrückenden russischen Armee geflohen oder sind den sogenannten „wilden Vertreibungen“ zum Opfer gefallen.

Frau Heiderun Gödrich musste als Kind Ihre Heimat verlassen – ihre Erinnerungen hat sie in ihrem Buch „Blechteller für Flüchtlinge“ festgehalten (2016 im Shaker-Media Verlag erschienen). Hier ein Auszug aus dem Kapitel „Warum sind die Tschechen auf einmal so böse?“, in dem sie auf die komplizierten historischen Zusammenhänge eingeht, die sie als Kind zu verstehen versucht hat, sowie das Kapitel „Niemand will uns haben“:

Auszüge aus dem Buch „Blechteller für Flüchtlinge“

Frau Heiderun Gödrich kommt weiter unten in dem Themenkapitel „Prekäre Wohnsituation“ ebenfalls als Zeitzeugin zu Wort.

Für „Daheim in der Fremde“ wurde die Medienhistorikerin Frau Dr. Alina Tiews vom Hans-Bredow-Institut Hamburg interviewt, u.a. zur politischen Verschlagwortung und der Bedeutung des Radios in der damaligen Debatte. Das Interview ist hier nachzulesen:

Interview mit Frau Dr. Alina Tiews

Alte und neue Grenzen

Auf dieser Karte aus dem Historischen Atlas Baden-Württemberg sieht man den Anteil der Flüchtlinge und Vertriebenen an der Gesamtbevölkerung im Jahr 1950:[6]

Doch woher kamen die Menschen?

Das damalige Deutsche Reich erstreckte sich kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs über Gebiete, die heute zu anderen Staaten gehören – zudem lebten viele Deutsche als Minderheiten im damaligen Ausland. Nach Baden-Württemberg kamen vorwiegend Sudetendeutsche, Ungarndeutsche, Schlesier und Ostpreußen. Weit über 30 % der Vertriebenen stammten aus der ehemaligen Tschechoslowakei und knapp 25 % aus dem heutigen Polen.

Diese Sudetendeutsche sollen hier als Beispielgruppe dienen: Sie lebten als deutsche Minderheit in der damaligen Tschechoslowakei, bevor Hitler das Sudetenland 1938 annektierte. Zwischen den Grenzen war die Bevölkerung der Tschechoslowakei, also Tschechen, Slowaken, Deutschen und andere, im Verlauf des Krieges stets den Machtspielen der Regierenden ausgesetzt – nach Kriegsende hatten die Sudetendeutsche in ihrer Heimat keinen guten Stand; wenn sie ihre Wohnorte nicht verlassen hatten, aus Angst vor der vorrückenden Roten Armee, wurden ihre Güter nun von den Russen und den Tschechen beschlagnahmt. Bis zum Potsdamer Abkommen und noch darüber hinaus wurden die Menschen von Mai 1945 „wild“ vertrieben oder in Lager interniert; der Hass auf das Nazi-Regime richtete sich in willkürlichen Angriffen und Hinrichtungen gegen die deutsche Bevölkerung.

Vergrößern

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Dezember 1946. Kinder sitzen auf den Stufen vor dem Eingang einer Holzbaracke im Lager 'Schlotwiese', Stuttgart-Zuffenhausen.
Quelle: Hermann Weishaupt. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Ein schwieriger Anfang

Die heutigen Flüchtlinge begrüßt eine „Willkommenskultur“ wie auch große Hasswellen; auch damals waren die Neuankömmlinge alles andere als willkommen, da die deutschen Städte selbst vom Krieg zerstört waren und man mit Lebensmittelknappheit und Wohnraumproblematiken zu kämpfen hatte.

In dem Film „Give them hope“ aus dem Jahr 1947 werden diese Zustände gezeigt, auch Stuttgart kommt darin vor: 130 Menschen, 15 davon Kinder, leben noch zwei Jahre nach Ende des Krieges in einem Bunker. Stuttgarter Studenten helfen mit, die damalige Technische Hochschule wieder aufzubauen. Und auch in das Lager Schlotwiese (Stuttgart-Zuffenhausen), in dem viele Vertriebene untergebracht wurden, wird ein Einblick gewährt.

Die Neubürger hatten es schwer, packten jedoch auch kräftig mit an und beteiligten sich am Wiederaufbau. Trotzdem blieben tiefe Gräben innerhalb der Gesellschaft, wie man am sogenannten Konnuptialindex (Verschwägerungsgrad) ablesen kann: Dieser gibt Auskunft über die Eheschließung zwischen vertriebenen und nichtvertriebenen Männern und Frauen (k=1 für „bedingungsloses Gegenüberstehen“ beider Gruppen zu einander). Im Südwesten der BRD ist dieser gegenüber allen anderen Bundesländern am niedrigsten gewesen (0,58 im Jahr 1950; 0,65 zwei Jahre später).[7]

Dies könnte beispielsweise auf die konfessionellen Unterschiede zurückzuführen sein – oft kamen katholische Vertriebene in evangelische Gemeinden, und umgekehrt. Nordwürttemberg war beispielsweise überwiegend protestantisch und die Vertriebenen, die hierher kamen, hauptsächlich katholisch – es kam zu einer Verschiebung innerhalb der Gemeinden.

Hier Aufnahmen einer Fronleichnamsprozession in Heidenheim im Jahr 1946 im Umkreis der katholischen Pfarrkirche St. Maria in Heidenheim: Durch den Zuzug der Sudetendeutschen und Donauschwaben ist die Zahl der Katholiken im traditionell evangelischen Heidenheim nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsen.

Ebenso spielten die soziale Stellung und die Wohnungsnot eine Rolle. Auch die gemeinsame Herkunft war ein wichtiger Faktor – Einheimischen und „Neuen“ fiel die Annäherung lange schwer.

Walter Heinisch, Jahrgang 1940, wohnt heute in Stetten / Kernen im Remstal. Auch er musste seine Heimat verlassen, da er den Vertreibungen aus dem Sudetenland zum Opfer fiel; im Alter von sechs Jahren kam er in einem Viehwaggon aus Vierzighuben im Kreis Zwittau (heute: Svitavi in Mähren) über mehrere Stationen nach Stetten im Remstal. Er ist heute Amtsträger im Bund der Vertriebenen und in der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Im Interview erzählt er von der Vertreibung als Kind und den Erlebnissen in den Notunterkünften: (2:45 min.)

Ein Ereignis prägte ihn hierbei als Kind besonders, als er bei der Vertreibung fast alles zurücklassen musste: (1:25 min.)

Doch wie war das Ankommen hier in Baden-Württemberg – hatte er Hoffnungen auf die Rückkehr in die Heimat? (00:40 min.)

In der Schule war es als Vertriebenenkind nicht einfach: (2:30 min.)

Doch die Erlebnisse mit den „Einheimischen“ waren unterschiedlicher Natur: (0:35 min.)

Man musste sich behaupten, durch Arbeit und Fleiß: (2:30 min.)

Aus seinen Erfahrungen zieht Walter Heinisch folgende Bilanz über die Integration von Neuankömmlingen: (2:30 min.)

1994 ist Walter Heinisch zum ersten Mal wieder in seinen Heimatort gefahren: (1:40 min.)

Und wie sieht Walter Heinisch die heutige Situation in Tschechien? (2:10 min.)

Was also ist nun „Heimat“ für jemanden, der seine Heimat zurücklassen und sich eine Existenz an einem neuen Ort aufbauen musste? (2:30 min.)

Unterschiede innerhalb des Südwestens

«So wirket alle mit Handlung und Haltung, dass diese Last, die uns in unserer Not noch überdies aufgebürdet ist, eines Tages zum Segen des Landes werde.» Aus einem am 30.04.1946 veröffentlichten Merkblatt von Theodor Eschenburg (1904-1999, damaliger Landeskomissar für das Flüchtlingswesen), der sich damit an die Bewohner der französisch besetzten Gebiete Württemberg und Hohenzollern wandte und in dem es um die Aufnahme der Ausgewiesenen ging.

Das Baden-Württemberg von heute war unmittelbar nach Kriegsende in die Gebiete Württemberg-Baden (unter amerikanische Verwaltung), Baden und Württemberg-Hohenzollern (jeweils französische Verwaltung) unterteilt.

Deren vier Regierungsbezirke gingen dabei jeweils unterschiedlich mit der Problematik der Aufnahme Geflüchteter und Vertriebener um, was auch mit den unterschiedlichen Zielen der Siegermächte zu tun hatte: Während die Amerikaner eine „Umerziehung“ und „Befreiung“ der Deutschen anstrebten, verfolgten die Franzosen eher eine „Revanche-Politik“. Das amerikanisch besetzte Nordbaden (208.000) und Nordwürttemberg (441.000) nahmen mehr Menschen auf als das französisch besetzte Südbaden (98.000) sowie Südwürttemberg-Hohenzollern (114.000). Die Heimatvertriebenen bildeten 13,5 % der Gesamtbevölkerung dieser Gebiete; drei Viertel davon lebten in dem amerikanisch verwalteten Württemberg-Baden.

Die französischen Besatzer hatten nicht an der Potsdamer Konferenz teilgenommen und sahen in der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und Vertriebenen eine zusätzliche, untragbare Belastung für die Regionen. Um die Verteilung auf die Länder gerechter zu gestalten, wurden bis 1955 trotzdem Menschen umgesiedelt, über 800.000 „Heimatvertriebene“ zogen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern vor allem nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Die prekäre Wohnsituation

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Schlotwiese, Stuttgart-Zuffenhausen im Dezember 1946 - Frau und Mann beim Dachdecken einer winzigen Baracke.
Quelle: Hermann Weishaupt. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Die Landeshauptstadt Stuttgart beugt heute einer „Ghettoisierung“ vor, indem die städtische Immobiliengesellschaft Sorge dafür tragen muss, dass in einem Haus maximal 20 % Nicht-EU-Staatsbürger wohnen. Vielleicht hat man da aus der Vergangenheit gelernt (obwohl die Voraussetzungen heute selbstverständlich anders sind) – damals gab es Flüchtlingssiedlungen oder -baracken, wie z. B. auf der Zuffenhäuser Schlotwiese, wo 1200 Donauschwaben untergekommen waren. Die Zustände in den Auffang-, Durchgangs- oder Wohnlagern waren weitesgehend katastrophal. Arbeit und Wohnung bedingten einander und ein Ausbruch aus dem Kreislauf von Armut und Not war den Wenigsten vergönnt. Der Weg ins eigene Heim ging oft über mehrere Etappen, die Menschen wurden bei Einheimischen zwangseinquartiert, die mit dieser Entscheidung oftmals alles andere als einverstanden waren.

Folgende Aufnahmen von 1946/47 zeigen das Leben und den Alltag im Flüchtlingslager Sand bei Bietigheim: Wäschewaschen, Kochen im Freien, Gartenarbeit. Dann werden Hausrat und die Habseligkeiten der Lagerbewohner verladen, man schafft Platz für die Neuankömmlinge aus dem Osten. Familien werden einheimischen Bauern zugewiesen. Wenn die Kamera dabei ist, fällt die Begrüßung noch einigermaßen freundlich aus; sonst oft nicht. Wer will schon gerne mit wildfremden Menschen Haus und Hof teilen.

Willy Bettinger, damaliger Staatskommissar für die Ausgewiesenen und Direktor im Innenministerium, kritisierte das abschottende Verhalten derjenigen, die die Neubürger ablehnten:

«Nicht mit Unrecht ist das Neubürgerproblem immer wieder als das Staatsproblem Nummer 1 bezeichnet worden, von dessen Lösung geradezu die Existenz unseres Staates abhängig sein dürfte. Es muss aber festgestellt werden, dass diese Tatsache einem grossen Teil unseres Volkes bis heute noch nicht bewusst geworden ist. Dabei handelt es sich um jene Kreise, die aus der Vergangenheit nichts gelernt haben und auch heute noch der Meinung sind, dass sie ihr früheres bequemes Leben fortsetzen dürfen und dass die Notstände nur für die anderen da sind.» Niederschrift der Rede Bettingers im Manuskript zur Radio-Sendung „Unsere Neubürger“ vom 2.9.1947 im Radio Stuttgart. Quelle: SWR Historisches Archiv: Bestand SDR: Neubürger-Sendungen 1947 - 1949: 19/625.

Auch Umsiedlungen aus anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Bayern, die aufgrund ihrer geografischen Lage eine höhere Zahl an Vertriebenen aufgenommen hatten, waren an der Tagesordnung; die Vertriebenen mussten oft mehrmals aufbrechen, sich mit wenig Hab und Gut auf den Weg machen und auf eine eigene Unterkunft und Arbeit hoffen. Dabei waren sie auf die Unterstützung der Gemeinden angewiesen. In dem SWR-Beitrag vom 18. April 1952 erzählen aus Schleswig-Holstein umgesiedelte Vertriebene von ihren ersten Eindrücken in Mannheim:

Viele Altbürger hofften zwar auf einen vorübergehenden Zustand; jedoch mussten alle einsehen, dass das Zusammenleben von Dauer werden würde. Doch es gab auch viele, die sich für die „Neubürger“ einsetzten und ihnen halfen: Durch Initiativen, Schenkungen und Spendenaufrufe trugen die einheimischen Bürger zur Verbesserung der Lage ihrer neuen Nachbarn bei. So wurde beispielsweise im Süddeutschen Rundfunk die sogenannte „Südfunkhilfe“ als Spendenaktion ausgerufen – aus der Original-Ansprache an die Zuhörer im Radio am 20. Dezember 1953:

«Wir wollen Häuser und Wohnungen für Flüchtlinge und Vertriebene bauen. Wir wollen nicht warten, bis der Staat und die caritativen Verbände das Problem gelöst haben. Sie tun, was sie können. Trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis auch der Letzte wieder menschenwürdig untergebracht sein wird.»

Die Spendenaktion wurde bis zum Januar 1954 durchgeführt, es kamen insgesamt 62.250 Deutsche Mark zusammen. Neben der geplanten Wohnraumfinanzierung war, laut einem Abschlussbericht, ein weiteres Ziel der Aktion eine „moralische Lockerungsgymnastik“ des Senders, der seine Pflicht wahrnehmen und die Bürger zur Mithilfe animieren wollte, obwohl Zuhörer dagegen protestierten, dass eine solche Aktion nur Sache der Behörden und verantwortlichen Staatsorgane sei.

«Natürlich sind wir uns darüber im Klaren, dass es unmöglich ist, allen, denen geholfen werden müsste, auf einmal zu helfen. Dafür warten heute zu viele. Aber wenn wir alle zusammenlegen, wenn jeder etwas in den großen Topf der Südfunkhilfe tut, dann werden wenigstens ein paar Menschen schneller aus dem Elend herauskommen. Aus dem Lager …»

Hier das ganze Manuskript der Sendung „Die Südfunkhilfe ruft“[8], die am 20. Dezember 1953 im Süddeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde, zum Nachlesen:

Die Südfunkhilfe ruft

Daneben gab es noch weitere Bürgerinitiativen – so schenkte beispielsweise ein Gastwirt in Südbaden Geflüchteten eine Ackerfläche von 10.000 m². Und durch Spenden von Gemeindemitgliedern konnte so in Steinen bei Lörrach eine Flüchtlingssiedlung entstehen, die für die Familien einen Neuanfang bedeutete.

Frau Heiderun Gödrich erzählt im Interview über den Siedlungsbau und welche Veränderung dieser für sie mit sich brachte:

Das ganze Interview mit Frau Gödrich (30 Minuten) findet sich hier.

In Esslingen lebten die Heimatvertriebenen sogar bis weit in die 1960er Jahre in schlimmen Verhältnissen: Zwischen Abfall und kaputten Straßen spielen und leben Kinder mit ihren Eltern, denen es nicht gelungen ist, in den neu gebauten Wohnsiedlungen Fuß zu fassen:

Eine neugebaute Siedlung mit viertstöckigen Wohnblocks und einer besseren Einrichtung verbesserte diese Umstände für die, die umziehen konnten – Filmaufnahmen aus dem Jahr 1969 zeigen Maßnahmen, die die Lebensbedingungen auch in den Baracken optimieren sollten. Für die Kinder wird ein Kindergarten geschaffen, Freizeitangebote und Veranstaltungen für Jung und Alt sollen helfen, den Alltag erträglicher zu machen:

Die Neubürger waren aber nicht nur zu Not und Elend verdammt – sie brachten auch wirtschaftliches und technisches Know-How mit sich und trugen in den folgenden Jahren durch eigene Eröffnungen von Betrieben zum Wiederaufbau und letztendlich auch zum Wohlstand des Landes Baden-Württemberg bei; trotzdem hatten sie anfangs mit wirtschaftlicher Not und einem Kreislauf der Armut zu kämpfen.

Und was wurde dagegen unternommen?

Das Flüchtlingsgesetz vom 14.02.1947 – Gesetz Nr. 303 über die Aufnahme und Eingliederung der Flüchtlinge – hatte zunächst eine Assimilation im Fokus: Die „Neigschmeckten“ sollten mit den Einheimischen auf einer Stufe stehen. Bis 1949 gab es ein Koalitionsverbot, mit welchem wohl Sorge dafür getragen werden sollte, dass die Vertriebenen sich nicht als Gruppe organisieren. Mit dessen Aufhebung bildeten sich dann trotzdem Interessengruppen und politische Parteien wie die DG/BHE (Deutsche Gemeinschaft / Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten).

Auch das Lastenausgleichsgesetz sollte dazu beitragen, die Verhältnisse zu verbessern: Es beinhaltete sowohl Eingliederungsmaßnahmen für die Vertriebenen wie auch finanzielle Entschädigungen. Es wurde lange erarbeitet und diskutiert und sowohl die Gestaltung des Gesetzapparates, wie auch dessen Ausführung, war eine umfangreiche und schwierige Aufgabe, allein schon die Problematik einer Schadensfeststellung. Am 14. August 1952 wurde es nach über zwei Jahren Ausarbeitung verabschiedet. Das Gesetz erschien vielen Einheimischen als nicht gerecht, brachte es doch Vermögensabgaben mit sich, die zusammen mit Krediten und staatlichen Mitteln in einen Ausgleichsfond kamen. Rückblickend betrachtet hat das Gesetz die ungleiche Stellung zwischen Einheimischen und Vertriebenen aber kaum gebessert.

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Lager "Schlotwiese", Stuttgart-Zuffenhausen im Januar 1947 - Alltag in einem Gemeinschaftsraum.
Quelle: Hermann Weishaupt. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Die Charta der Heimatvertriebenen

Am 5. August 1950 wird vor dem Stuttgarter Schloss in Bad Cannstatt die sogenannte „Charta der Heimatvertriebenen“ verkündet. Ihre Unterzeichner sind Repräsentanten der Landsmannschaften, der Kernaspekt ist die Formulierung eines Verzichtes auf Rache für das erlittene Unrecht wie auch die Forderung nach einem „Recht auf Heimat“.

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Programm der feierlichen Bundestagung der Vertriebenen Deutschen.
Quelle: Haus der Geschichte Baden-Württemberg.

Die Verkündung der Charta erfolgte in zeitlicher Nähe zum fünften Jahrestag des Potsdamer Abkommens vom 2. August 1945. Während der Beitrag zu einem friedlichen Nachkriegseuropa wertzuschätzen ist, gibt es aber auch kritische Diskussionen zur Charta.

Im Gespräch mit Andrea Beer geht Dr. Robert Zurek (Historiker am Berliner Zentrum für historische Forschung der polnischen Akademie der Wissenschaften) auf die „Schattenseiten“ der Charta und die Rolle des Bunds der Vertriebenen ein (Auszug aus einem SWR-Beitrag vom 5. August 2010 – 3:52 min.):

Sprachliche Unterschiede

Die Sprache ist ein essentieller Faktor für eine gelingende Integration; die Dialekte der „Neigschmeckten“ und der Einheimischen waren unterschiedlich, man musste einander verstehen lernen.

Zu Kriegsende gab es kein Fernsehen – das Radio spiele eine zentrale Rolle im Alltag der Menschen. Um den Neuankömmlingen ein Stück alte Heimat zu vermitteln und den „Altbürgern“ diese „neuen“ Kulturen näher zu bringen, gab es Sendungen wie „Eine Stunde Schlesisches Himmelreich“ im Süddeutschen Rundfunk – Volkslieder, Gedichte, humoristische Sketche und Liebesszenen, aber auch Kochrezepte und kulturelle Besonderheiten fanden hier ihren Platz.

So gab es beispielsweise in der Sendung vom 4. Juni 1948 auch einen „Kleinen Schlesischen Sprachkurs“, in dem auf lustige und zugängliche Art die sprachlichen Eigenarten des Schlesischen erklärt wurden (2:30 min.):

Dann gab es Radioprogramme, die sich der Heimaterinnerung und der Präsentation bestimmter kultureller Eigenheiten der Flüchtlinge und Vertriebenen widmeten. Es gab im Grunde keine Herkunftsregion der Flüchtlinge und Vertriebenen, die in westdeutschen Hörfunkprogrammen damals nicht zur Sprache gekommen wäre. Die Programmangebote dazu im Radio waren unglaublich vielfältig und differenziert. Geschichte und Kultur, Sprachen und Religionen Deutscher aus Osteuropa waren in all ihren Facetten wiederkehrende Themen in Radiosendungen. Ihr Zweck war ein doppelter: Zum einen waren sie Erinnerungsangebote für die Vertriebenen, zum anderen Aufklärungsprogramme für die Ansässigen über ihre neuen Mitbürger.

Auch heute noch leben Menschen als deutsche Minderheiten in der Tschechoslowakei und pflegen die Mundart – das vom Bundesministerium fürs Innere unterstützte Projekt „mundArt“ der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien dokumentiert die Menschen und ihre Sprache. Hier ein Beispiel:

Integration Eine Frage der Einstellung?

Ein Dokumentarfilm mit Spielszenen, der das Schicksal von vier Heimatvertriebenen, drei Männern und einer Frau, ein Jahr nach ihrer Ankunft im Flüchtlings- und Heimkehrerlager Ulm erzählt: „Heimat ist Arbeit“ (1949). Als Schauspieler agiert der junge Walter Schultheiß in der Rolle des Studenten Fritz Eder, der seine Geschwister im Flüchtlingslager Schwertmühle in Esslingen wieder findet:

Der Film ist auf Initiative der schlesisch-sudentendeutschen Künstlergilde Esslingen entstanden und wurde unter der amerikanischen Militärregierung in allen Kreisen Württemberg-Badens gezeigt. Der Film erhebt die Forderung nach ausreichendem Wohnraum und nach Arbeitsplätzen, die den Fähigkeiten der Flüchtlinge entsprechen. Er appelliert an den Durchhaltewillen der Neubürger und an das Verständnis der alteingesessenen Bevölkerung, die Flüchtlinge als gleichwertige Bürger anzuerkennen.

Der Stuttgarter Fußballverein SV Rot spielt heute in der Kreisliga B Stuttgart. Bei seiner Gründung 1945 hieß er noch „FC Batschka“ – benannt nach dem Gebiet zwischen Serbien und Ungarn, aus dem viele der Vertriebenen und Geflüchteten kamen, die in dem Zuffenhausener Lager Schlotwiese untergebracht waren. Trotz fehlender Ausstattung und der Not der Nachkriegszeit – oder gerade deswegen – wurde aus dem FC Batschka eine richtige Mannschaft, die mit Leidenschaft und Enthusiasmus dem Alltagsleid des Lagers zu entkommen versuchte.

In diesem kurzen Ausschnitt (knapp 5 min.) aus der Sendung „50 Jahre Baden-Württemberg – Wieland Backes präsentiert das Heimatland“ vom 30.05.2002 teilen die Fußballer ihre Erinnerungen, und der ehemalige Fußballspieler Hansi Müller spricht von der Bedeutung seiner donauschwäbischen Wurzeln für sein heutiges Leben:

Doch neben der sportlichen Aktivitäten spielte auch die Kunst und Kultur eine wichtige Rolle bei den Neuankömmlingen – sie mussten einerseits auf ihre neue Umwelt eingehen, ohne andererseits ihre Traditionen zurückzulassen. Dieser Ausschnitt aus „50 Jahre Baden-Württemberg“ geht auf den Wiederaufbau der sudetendeutschen Schmuckbetriebe und ebenso auf die Verarbeitung der „alten Heimat“ in der Kunst eines viel später ins „Ländle“ gekommenen Aussiedlers ein:

Sport und Kunst trugen sicher zum „Ankommen“ bei; doch wie ist es denen ergangen, die sich damit schwerer taten, hier Fuß zu fassen?

Diese Sendung aus den 1960er Jahren zeigt die damaligen ambivalenten Gefühle der Alt- und Neubürger zur Frage der Ostgebiete und deren Rückkehr zu Deutschland; neben der komplizierten juristischen Situation spielten hierbei auch emotionale Aspekte eine Rolle. Im Laufe der Jahre schwanden der Glaube und die Hoffnung vieler Vertriebener auf eine Rückkehr immer mehr (Sendung des Süddeutschen Rundfunks vom 5. Juli 1965 – 10 min.):

Heutzutage haben viele Baden-Württemberger eine Vertriebenen- oder Fluchtgeschichte in der Familie, die man bei genauem Nachfragen erfährt, auf den ersten Blick jedoch weder sieht noch hört – die Heimatvertriebenen und ihre Nachkommen haben hier eine neue Heimat gefunden und sich weitestgehend assimiliert. Was hat hierzu beigetragen?

Neben der gemeinsamen deutschen Sprache, die Neu- und Altbürgern trotz unterschiedlicher Dialekte gemeinsam war, spielte auch die einsetzende Gewissheit, dass eine Rückkehr in die alte Heimat auszuschließen ist, eine entscheidende Rolle bei der Integration – obwohl viele die Hoffnung hatten, noch einmal zurückkehren zu können und für das in der Charta der Heimatvertriebenen geforderte „Recht auf Heimat“ kämpften.

Und wie ist es den nachkommenden Generationen ergangen – spielte der Vertriebenenhintergrund für sie eine Rolle oder hatten sie als Baden-Württemberger keinen Bezug mehr zur „alten Heimat“? Über den unterschiedlichen Umgang der Kinder der Vertriebenen mit ihrer Familie kann man in diesem SWR-Beitrag vom 5. August 2010 mehr erfahren (3:42 min.):

Doch Integration ist ein weitreichender Begriff; neben der Sesshaftmachung spielt die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Einbindung und Einbringung der Einzelnen eine immens wichtige Rolle. Ein weiterer Aspekt war damals auch die soziale Vielfalt der Menschen – unter ihnen waren Arbeiter, Lehrer, Industrielle und Künstler, viele fanden schnell Anschluss durch die Ausübung unterschiedlichster Berufe, konnten aufsteigen und ließen sich auf diese Weise nicht als eine homogene Masse stigmatisieren. 

Neben Vorurteilen von außen gab es aber auch ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft bei den Vertriebenen, die eine Sehnsucht nach der alten Heimat verband. So bildete sich der „Bund der Vertriebenen“ sowie sogenannte „Landsmannschaften“, die mit kulturellen Veranstaltungen die Traditionen und die Mundart pflegten, sich aber auch politisch engagierten (der BHE, Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten, war bis 1961 eine Partei mit großem Einfluss auf die politische Landschaft der BRD).

Das Wahlrecht war ebenfalls nicht unwichtig für die Integration: So konnten sich die Vertriebenen als größere Interessengruppe nicht nur für ihre eigenen Belange einsetzen, sondern auch stark auf die politische Landschaft einwirken. Zum Beispiel spielten sie bei der Südweststaat-Frage eine entscheidende Rolle: Nicht nur Badener und Württemberger stimmten über das „Ländle“ ab, sondern eben auch alte und neue Bürger des neuen Bundeslandes. Ihre Stimmen waren gewichtig bei der Frage nach dem Zusammenschluss Badens und Württembergs.

Über die Vergangenheit einzelner Funktionäre wie auch den Vorwurf, „Ewiggestrige“ und „Revanchisten“ zu sein, wurde in der Bundesrepublik viel gesprochen und gestritten. Festzuhalten ist jedoch, dass die Interessenverbände und Einzelpersonen, denen man diesen Vorwurf zu Recht machen kann, nicht repräsentativ für alle Vertriebenen und Flüchtlinge stehen können.

Heute Auf der Suche nach Heimat

In den heutigen Gebieten, die damals deutschsprachig waren und heute zu Tschechien gehören, finden sich noch zahlreiche Spuren der Menschen, die einst dort zuhause waren: Die Häuser, Dörfer und Städte von damals existieren zum Großteil bis heute, aber eben mit meist tschechischen Bewohnern. Eine deutschsprachige Minderheit lebt auch in den Gebieten. So ist die Vergangenheit präsent – entsprechend wächst das Interesse insbesondere bei der aufwachsenden, jungen Generation für die deutsch-tschechische Geschichte.

Nach jahrzehntelanger Tabuisierung des Themas in Tschechien setzen sich nun viele Projekte und Kulturvereine von deutscher und tschechischer Seite für einen interkulturellen Dialog ein; in den von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik veranstalteten „Oral History Workshops“ suchen beispielsweise junge Menschen den Kontakt zu deutschen Zeitzeugen, die bis heute in Tschechien leben.

Außerdem gibt es zum Beispiel das Sommerfestival „Landart Königsmühle“ im Erzgebirge, bei dem Künstler das Baumaterial der ehemaligen Häuser nutzen, um die Geschichte und das Schicksal des Sudetenlandes künstlerisch darzustellen. Es handelt sich um Ruinen von Häusern, die 1945 verlassen wurden und bis heute verfallen. Deutsche und tschechische Künstler und Besucher treffen sich im Tal und tauschen sich bei Musik, Kunst und kulinarischen Spezialitäten aus.

[1] Zahlen laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg.

[2] Der Terminus „Volksdeutsche“ ist dem Nazi-Jargon entlehnt und wird hier daher entsprechend hervorgehoben.

[3] Internetquelle des LEMO (Lebendiges Museum online): Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt 1939

[4] Vgl. Beer, Mathias (Hrsg.): Baden-Württemberg – eine Zuwanderungsgeschichte. Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs. Herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Band 40. Stuttgart 2014. S. 75. Auf diese Quelle wird im weiteren Verlauf des Öfteren Bezug genommen.

[5] Vgl. Meier-Braun, Karl-Heinz / Weber, Reinhold: Kleine Geschichte der Ein- und Auswanderung in Baden-Württemberg. Leinfelden-Echterdingen 2009. S. 107/108. Auf diese Quelle wird im weiteren Verlauf des Öfteren Bezug genommen.

[6] Vertriebene und Flüchtlinge 1950 und 1961, bearbeitet von Gerhard Borawski, in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, herausgegeben von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1972-1988, Karte XII, 6 (1981), (vier Teilkarten).

[7] Die Angaben zum Konnuptial-Index wurden vom Statistischem Landesamt Baden-Württemberg erhoben.

[8] Freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom SWR-Hörfunkarchiv.

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